Daniel Hafner

MODERN PEOPLE. Über die Strukturen, die den Alltag von Lebewesen bestimmen

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#Soziales Miteinander    Darstellende Kunst

Die Aktion im Supermarkt

Gefundene Objekte wie Äste, Steine, Bauabfälle oder unsachgemäß entsorgter Hausrat werden bei Daniel Hafner zur Grundlage für Aktionen. Das können tänzerische Elemente sein, Situationskomik, Bewegungsstudien, eine Suche. Aus mehreren Aktionen, die teilweise parallel laufen, wird mittels Handlungsanleitungen ein Stück. Welche Aktionen von den Akteur*innen konkret auszuführen sind, zeigen Symbole, die auf den Objekten zu sehen sind. Die Aktionen können sich in einem Stück mehrmals wiederholen, je nach Anleitung und Interpretation. All das könnte man einen analogen Algorithmus nennen, sagt Daniel Hafner, der „Modern People“ für das Kulturjahr entwickelte. Mit Betonung auf: analog.

„Mehr Wertschätzung für die vorhandenen Ressourcen und ein kritischerer Umgang mit Technologie würden unserer Gesellschaft guttun – aber das ist nicht vordergründig das Thema des Projekts“, sagt Hafner. „Mir wäre es fremd, eine Performance zu entwickeln, die sich dramaturgisch oder choreografisch aufbaut und damit eine Symbolik schafft. Ich wollte mit zufällig entdeckten Gegenständen arbeiten, ohne Anfang und ohne Ende. Das Suchen und Finden von Dingen, das Sammeln, ist elementar für das Stück wie auch für uns Menschen.“ So kann die Trommel eines weggeworfenen Wäschetrockners mit aufgelesenen Früchten einen interessanten Klangkörper bilden. Ein Steinhaufen kann gleich mehrere Botschaften enthalten.

„Modern People“ baut auf Hafners Werk „Modern Man“ auf, das 2014 in Kosice in der Slowakei zu sehen war. Zur Klarstellung: Es geht hier nicht um Modernität, sondern um eine frühe, wenn auch ganz offensichtlich kunstvolle Form des Homo sapiens. Ein Einsiedler bezieht sein Quartier in einem früheren Hallenbad, das heute als Kunstraum dient. Er lebt, isst, trinkt, schläft vor Ort. Er spielt, zeichnet, hantiert mit diversen Fundstücken – und er wird vom Publikum dabei beobachtet. Für „Modern People“, quasi die Vervielfältigung des allein agierenden Menschen, sucht Hafner monatelang nach einem geeigneten Ort in Graz. Dieser soll seine ursprüngliche Funktion verloren haben wie etwa ein verlassener Supermarkt. Was Hafner findet: sehr verschiedene Örtlichkeiten – aber leider keine kunstaffinen und gastfreundlichen Eigentümer*innen.

Wer wohnt denn da?
So plant das Modern-People-Team insgesamt neun Performances in der Nähe der Wunschorte – im Freien, großteils im öffentlichen Raum. An einer stark befahrenen Straße am Eggenberger Gürtel, an einem verwilderten Parkplatz in der Wiener Straße, in einem stillen Winkel hinter der Pfauengartengarage im Stadtpark – und eben in der Liefereinfahrt eines Supermarkts in Weinzödl, der aufgelassen wurde. Auf diese Weise entdeckt Hafner sehr konträre Teile von Graz für sich und macht sie den Zuseher*innen zugänglich. Das Publikum besteht sowohl aus Menschen, die zufällig anwesend sind, als auch aus „Stammgästen“, die den Performances folgen. Selbst Bewohner*innen gibt es in diesen „Lost Places“. Nicht selten wird der Platz von Obdachlosen genutzt, auch Tiere und Pflanzen erobern sich die verlassenen Räume mit der Zeit wieder zurück. „Es ist spannend, dass man sich rasch Orte aneignet, an denen man sich mehrmals aufhält“, fasst Hafner denn auch eine seiner Erfahrungen zusammen. Die Notwendigkeit, nicht in Gebäuden, sondern davor zu agieren, lässt ihn zuerst befürchten, dass die fehlenden Barrieren die Arbeit der Performer*innen erschweren könnte. Doch das Gegenteil ist geschehen, sagt der Künstler: „Der öffentliche Raum hat sich uns geöffnet. Deswegen bin ich sehr erfreut über diese Erfahrung.“

Angesprochen auf das zentrale Motto des Kulturjahres äußert Daniel Hafner einen interessanten Gedanken: „Die Frage danach‚ wie wir leben wollen‘, muss einen kollektiven Prozess auslösen, einen Dialog. Der sollte im besten Fall von Politiker*innen moderiert werden. Ich sehe bei dieser Frage sofort demokratische Vorgänge.“

Das Wir steht also im Mittelpunkt. In der Kunst wie im Leben.

(c) Daniel Hafner
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Das Kulturjahr 2020 wurde unterstützt von: