Institut Design und Kommunikation (IDK), FH JOANNEUM

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NAHELIEGENDE FRAGEN

Rund um die FH JOANNEUM in Eggenberg sind in den vergangenen Monaten große Veränderungen vor sich gegangen – und weitere stehen noch an. Von Reininghaus bis zur Smart City entstehen viele Bauten, freie Flächen verschwinden oder werden neu interpretiert. Das weiträumige Gebiet, dem man vor einigen Jahren den Namen EggenLend gab, bekommt von Stadtforscher*innen und Künstler*innen immer mehr Aufmerksamkeit. Es reicht vom Hauptbahnhof über die Alte Poststraße bis zum Schloss Eggenberg und ist ausgesprochen heterogen besiedelt.

Architektin Anke Strittmatter ist seit Jahren mit ihren FH-Studierenden in dieser Gegend aktiv. Für das Kulturjahr 2020 konzipierte sie ein Projekt, um die neue und die traditionelle Nachbarschaft noch besser kennenzulernen. Kooperationspartner war das Stadtteilbüro EggenLend. „Die Idee dahinter ist, dass wir drei mobile Stände entwickeln, die man an unterschiedlichen Orten platzieren kann, um in Kontakt mit Passant*innen zu kommen“, erzählt die Urbanistin. „Die Studierenden machten zuerst eine Analyse der Umgebung. Wir haben uns die demografische Situation angesehen, die Geschichte der Gegend, die Grünräume, die Betriebe, auch das Wahlverhalten. Mit diesen Informationen sind wir in das Projekt gegangen.“

Die sehenswerten Stände aus Holz, die sich leicht schieben lassen, wären ursprünglich sogar dafür ausgestattet gewesen, mit Anwohner*innen zu kochen, es hätte Kurse aller Art geben können, je nach den Wünschen des Publikums. Hier mussten Abstriche aufgrund der Covid-Bestimmungen gemacht werden, speziell was Speisen und Getränke betraf. Dennoch war der Austausch sehr rege. Es wurde informiert und diskutiert, es wurden Vorschläge gesammelt – und es wurde Tischtennis gespielt. Studierende der Fachrichtung Ausstellungsdesign betreuten die Stände, die auch Ausstellungsflächen sind, gemeinsam mit Sozialarbeiter*innen. Ganz besonders die Kinder aus der Gegend waren begeistert und kamen regelmäßig zu den Treffen.

Was konnte das Team von Strittmatter bei dieser Interaktion an Erkenntnissen gewinnen? „Viele leiden unter dem Schwund an Grünflächen“, sagt die Architektin. „Dabei geht es nicht nur rein um Flächen, sondern auch um Orte, mit denen Erinnerungen verbunden sind. Beispielsweise ein Baum, der einen das gesamte Leben begleitet hat.“ Interessant war andererseits auch, dass viele Menschen noch sehr wenig über die Gegend wussten. Und dass zugleich neue Räume für soziale Begegnungen entstehen, etwa in der Eckertstraße, die erst noch entdeckt und erobert werden wollen. Die vielseitig einsetzbaren rollenden Holzboxen, die zum Kennenlernen der Nachbarschaft einladen, werden auch in Zukunft in Graz unterwegs sein, eine davon wurde dem Stadtteilbüro EggenLend übergeben. Nachhaltigkeit ist für Strittmatter ohnehin ein wichtiger Punkt. Sie ist entschlossen, die Anliegen des Projekts auch künftig weiterzuführen.

Out of the box

Die weit gereiste Architektin schätzt das Leben in Graz sehr, sieht aber manches ausgesprochen kritisch: „Ich habe noch in keiner europäischen Stadt gelebt, die so viel falsch macht wie Graz. Und zwar nicht, weil es keine Expertise gäbe, sondern weil es schlicht keine Wertschätzung für den Städtebau und für die Gestaltung des öffentlichen Raums gibt. Das klingt jetzt brutal, es gibt natürlich manche, die sich bemühen. Aber generell kommt das Investorenprojekt, es wird gebaut und der Platz, der dann übrig bleibt, wird irgendwie gestaltet. Eigentlich müsste man das genau umgekehrt machen.“ Während sie direkt vor der Fachhochschule erhebliche Planungsmängel sieht, findet Strittmatter allerdings die neuen Quartiere in Reininghaus sehr spannend: „Es wird letztlich davon abhängen, wie die öffentlichen Räume, die dort ja eindeutig mitgeplant werden, dann bespielt werden. Werden Anwohner*innen ihre Nachbarschaftsfeste feiern können oder wird der Platz vermietet an einen Energy-Drink-Hersteller?“

(c) Team Interface Nachbar
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  • (c) Anke Strittmatter

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Das Kulturjahr 2020 wurde unterstützt von: