Angelika Maria Fink

GARBAGE.CITY.DEATH – EINE STADT REPARIEREN

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Sind wir zu brav?

„Lässt sich die Zukunft zurückgewinnen, indem Bürger*innen ihre Stadt reparieren?“ Die gelernte Schauspielerin und langjährige Theaterleiterin Angelika Maria Fink beginnt 2018 an dieser Frage einer urbanen Mängelbehebung zu arbeiten, inkludiert sind zu Beginn München, Berlin, Budapest, Eindhoven und London. „future-repair-machine“ nennt Fink ihr Vorhaben. Für das Kulturjahr 2020 wird das Konzept adaptiert und mit lokaler Unterstützung in Graz umgesetzt. Brigitte Bidovec organisiert das Netzwerk. Johannes Schrettle verfasst Texte. Barbara Balsei recherchiert und erstellt die Dramaturgie für die City Walks. Architekt Martin Brischnik koordiniert die Walks. Astrid Behrens übernimmt die Visuals und Joe Masi die musikalische Leitung und Komposition. Lisa D. ist für den Pop-up-Store und ihr neues Label Become  A-Ware verantwortlich. Aus upgecycelten Materialien hat Lisa D. auch die Kostüme und Masken der Performer*innen hergestellt. Weitere wichtige Kooperationspartner*innen sind das Kunsthaus Graz,  das Theater im Bahnhof und das DramatikerInnenfestival.

Im Rahmen der City Walks führen Expert*innen auf selbst zusammengestellten Routen durch die Stadt. Die Perspektiven reichen von Musik und Sound über Architektur, Biologie und Soziologie bis hin zu Migration, der Generationenthematik, Müll und Sicherheit. Ein essenzielles Thema der interdisziplinären Stadterforschung im Rahmen von „garbage.city.death“ ist die Natur, konkret die Mur, die Tiere, die Pflanzen – und die Hundewiesen. „Es geht uns um eine mehrdimensionale Sicht auf die Stadt. Kommunikation und Partizipation sind dabei zentral. Wir wollen einen Gesprächsraum schaffen, Wortreparaturstätten könnte man das nennen“, sagt Fink. „Neu war für uns dabei das Format einer fiktionalen Konferenz, das haben wir auch lange im Vorfeld besprochen. Es ist ja eigentlich sehr seriös besetzt, ein künstlerisches Team macht üblicherweise keine Konferenzen.“

Ruhe, bitte!

Was ist in Graz reparaturbedürftig? In ein oder zwei Sätzen wolle und könne sie das nicht beantworten, meint die Steirerin, die lange in München wirkte. Aber: „Was mich beispielsweise überrascht hat: Wie wenig Freiräume für Kinder es gibt. Wir haben etliche von ihnen im Gebiet der ‚Smart City‘ befragt und sie sagten, dass sie Orte der Stille vermissen würden. Beeindruckt hat mich auch die Aussage von Heidrun Primas vom Forum Stadtpark, die gemeint hat, Kunst sollte sich dem Aktivismus zuwenden. Ein spannender Reparaturansatz. Und dann gab es einen Satz, der mich im Rahmen der Workshops im ‚Theater im Bahnhof‘ sehr beeindruckt hat: ,Bin ich zu brav?‘“

Im Gespräch zeigt Fink freilich deutlichen Optimismus, sie erlebt Graz als aufregende Kulturstadt: „Das ist das Schöne, dass alles so nah und so verzahnt ist, Literatur, Theater, bildende Kunst. Es war im Rahmen des Projekts ein Münchner Team da, die haben alle gesagt: ‚Was ist das für eine tolle Stadt‘.“ Diese positive Haltung speist sich auch aus den Erfahrungen mit der Reparatur-Recherche in Graz: „Wir haben mit der Autonomie der Künstler*innen gearbeitet und darauf vertraut, dass sie einen Zugang zu ihrem Thema finden, sich mit ihrem Material auf eine persönliche Reise begeben. Ich finde, das hat sehr gut funktioniert. Es gab wirkliche Glücksgefühle, weil Sachen entstanden, mit denen wir nicht gerechnet hatten.“

Aus den Walks, den Workshops, der Konferenz ist ein großes Archiv mit jeder Menge Film- und Tonmaterial entstanden. Ohne zusätzliche Ressourcen wird es allerdings fürs Erste unbearbeitet bleiben. Angelika Fink will jedenfalls an der „future-repair-machine“ weiterarbeiten. In Graz sollen in kleinerem Rahmen City Walks fortgeführt werden. Aus Johannes Schrettles Texten könnte ebenfalls mehr werden. Auf internationaler Ebene wird sich zeigen, ob es gelingt, neue Förderungen zu erhalten.

Und so lautet Finks Resümee wohl in etwa: Die Zukunft ist ungewiss, aber reparierbar. Oder in ihren eigenen Worten: „Wir können nicht wissen, was die Menschen in Graz in 50 oder 100 Jahren brauchen werden. Aber was wir tun können: die Stadt so offen zu lassen, dass sie noch gestaltbar ist.“

(c) Astrid Behrens
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Das Kulturjahr 2020 wurde unterstützt von: