KLANGLICHT

FLOWERS OF CHANGE

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Blumen ohne Ablaufdatum

Seit 2015 verzaubert „Klanglicht“ alljährlich die Grazer Innenstadt mit Licht, Musik, farbenfrohen Formen und Figuren. Birgit Lill, kuratorische Leiterin des Festivals, das von den Bühnen Graz veranstaltet wird, sucht bei der Programmierung stets nach Möglichkeiten zur Interaktion mit der Bevölkerung. „Installationen, bei denen das Publikum eingebunden wird, bekommen bei uns immer die größte Resonanz“, sagt sie. In Deutschland lernte Lill den französischen Künstler Pierre Estève und sein Projekt „Flowers of Change“ kennen, das er zuvor unter anderem in Paris realisiert hatte. Dabei werden in Workshops mit Kindern, Jugendlichen, Lehrer*innen und anderen Interessierten kunstvolle blumenartige Gebilde aus zuvor gesammelten Plastikflaschen hergestellt. Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Community Work und Upcycling werden damit nicht nur intensiv diskutiert, sondern auch weithin sichtbar gemacht. Auf Plätzen in der Stadt, die sonst durchaus trist wirken können, werden mit den Blumen neue farbige Akzente geschaffen. Für Kinder wie für Erwachsene war nicht nur dieser Aspekt der künstlerischen Wiederverwertung überraschend, sondern auch die Tatsache, wie viel Plastik im Haushalt angefallen war.

Im Jänner 2020 reist Estève erstmals nach Graz und hält einen Workshop mit rund 50 Lehrer*innen ab. Sie werden in der Folge mit ihren Schüler*innen Hunderte Plastikblumen herstellen, am Ende sind es knapp 1.000 Stück. Vor dem Start von Klanglicht 2020 war dann ein zweiter Termin mit Kunstinteressierten geplant. Die gesammelten Blumen sollten schließlich den Park vor dem Hotel Daniel in unmittelbarer Nachbarschaft des Grazer Bahnhofs schmücken. Dazu kam es allerdings nicht, doch weder die beteiligten Schulen noch Birgit Lill wollten das Projekt ungeschehener Dinge verebben lassen. Man ging andere Wege.

Lill besuchte mit einem Filmteam jede einzelne Bildungseinrichtung, nicht nur in Graz, sondern auch in anderen Teilen der Steiermark. Das Resultat: ein Video mit Impressionen und Interviews, das man sich nach wie vor im Web ansehen kann. Pierre Estève betont darin ebenso wie die befragten Kinder, dass das gemeinsame Arbeiten am Projekt den entscheidenden Mehrwert ausmacht. Der Gedanke „Do it yourself“ wird bei den „Flowers of Change“ durch das „Do it with others“ erweitert.

Nächtliches Blumenmeer

Ein Höhepunkt im Film wie auch im realen Leben der Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen: die nächtliche Schau der bunten Plastikblumen im Hort Kronesgasse. Die Zusammenarbeit mit den rund 40 Schulen aus der Steiermark, ein Großteil davon in Graz, erlebte Birgit Lill generell als spannend, herausfordernd und abwechslungsreich. In Mariazell etwa wurde eine Ausstellung rund um die Blumen aufgebaut, anderswo wurde das Projekt ins Sommerfest der Schule integriert. Interessant war auch, wie unterschiedlich die Kreationen ausfielen. „Teilweise waren die Objekte an die 2 Meter hoch“, erzählt Lill.

„Grundsätzlich geht es bei Klanglicht ja darum, den Raum neu erfahrbar zu machen, neue Perspektiven auf Orte zu zeigen, die man im Alltag schon oft gesehen hat. So wie die Bühnen Graz eine große Bandbreite besitzen, vom Kabarett über Rock bis zur Wagner-Oper, so hat auch Klanglicht eine beachtliche Breite an Themen und damit an Installationen. Ohne dass man extra darauf hinweisen muss, erleben viele Menschen damit Kunst. Eine dramaturgische Klammer wie bei den ‚Flowers of Change‘ hingegen hat es bislang bei uns nicht gegeben.“

Befragt zum Leben in der Stadt, antwortet die Klanglicht-Kuratorin: „Ich glaube, dass das aktive Mitgestalten ein entscheidender Faktor ist. Gerade Kinder haben diese Möglichkeit oft nicht. Das Thema Versiegelung, Vernichtung von Grünraum und Überhitzung in der Stadt ist ein zweites, das mit den ‚Flowers of Change‘ angesprochen wird.“

(c) Videostill "Flowers of Change"
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  • (c) Videostill "Flowers of Change"

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Das Kulturjahr 2020 wurde unterstützt von: