Die Rabtaldirndln

DIE STADT DER RABTALDIRNDLN: GRAZ

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#Soziales Miteinander    Darstellende Kunst

STADT GEFLUTET. PROBLEM GELÖST

Ausgerechnet in Wien saßen Regisseur Yosi Wanunu und die Rabtaldirndln zusammen und dachten über die Zukunft von Graz nach. Angeregt durch den Call des Kulturjahrs 2020 ging es ihnen um die Frage, wie all die Probleme gelöst werden sollten, die auf die Stadt zukommen könnten. Das ginge, so war bald klar, am ehesten mit vier Superheldinnen. Barbara Carli, Rosa Degen-Faschinger, Bea Dermond und Gudrun Maier wollten aber keine Figuren à la Superwoman erschaffen, sondern bedienten sich als grafisches und dramaturgisches Leitmotiv für ihre Theaterperformance beim alten Macho James Bond. Die Idee eines Comics ließ die vier Heldinnen allerdings auch nicht wirklich los. Und so wurde im Nachhinein ein entsprechendes Heft in Kooperation mit der Künstlerin Helene Thümmel realisiert.

Die explizite Möglichkeit im Kulturjahr, ein wenig größer zu denken, nachhaltig zu agieren und Partner*innen von außen einzubinden, ermöglichte den Rabtaldirndln eine Kooperation mit Wanunu und dem Brut Wien und damit in der Folge auch eine Fortsetzung des Projekts in der Bundeshauptstadt, gerade noch rechtzeitig vor dem nächsten Lockdown. Wien hat natürlich andere Probleme als Graz und damit auch andere Lösungen. Aber dazu etwas später.

Das Ursprungskonzept sah für Graz eine Art Sternwanderung mit vier Gruppen von Zuseher*innen zu einem Treffpunkt vor, an dem der Showdown stattfinden sollte. In weiterer Folge wurde dieses Konzept fokussiert auf einen Ort, der Schauplatz eines Filmdrehs sein sollte. Von einer turbulenten Demonstration in der Stadt bis zu einer Verfolgungsjagd mit Autos und davonspringenden Fußgänger*innen war jede Menge Action für die vier Protagonistinnen garantiert. Die Menschen im Publikum wurden zu Statist*innen.

Graz geht unter

Ausgehend von Themen wie Verkehr, Luftqualität, Wohnen und dem Verlust von Grünflächen begaben sich die Rabtaldirndln in der Recherchephase mit der Soziologin Karin Scaria-Braunstein auf die Suche nach dem zentralen Problem von Graz und einer möglichen Lösung. Der öffentliche Raum als kommerzialisierte und buchbare Eventfläche, der Zwang, den Tourist*innen fototaugliche Motive zu liefern führten zu einem Ansatz, der nur auf den ersten Blick absurd wirkt. Die Idee: die Stadt an ein Konsortium von mächtigen Frauen zu verkaufen und damit auch die Schulden von Graz auf einen Schlag loszuwerden. Als wäre das nicht radikal genug, sah der Plan dieser mysteriösen Käuferinnengruppe weiters vor, die Stadt zu fluten und einige Inseln aus der Mur ragen zu lassen. Die Bürgerinnen und Bürger müssten auf diesen Erhebungen ihre Einheimischenrolle für die Reisenden spielen. Als Inspiration unschwer zu erkennen: die chinesische Kopie von Hallstatt. Bei der Inszenierung in Wien wiederum wurde die Bauwut thematisiert und als Lösung ein komplettes Niederbrennen der Stadt samt anschließender urbaner Wiedergeburt vorgeschlagen.

„An sich haben wir schon immer gesellschaftliche und ökologische Probleme aufgegriffen“, sagt Gudrun Maier von den Rabtaldirndln, „in unserem nächsten Stück geht es etwa um die Bodenversiegelung am Land.“ Dass die Umsetzung aber doch außergewöhnlich war, hat vor allem das Stammpublikum der Gruppe rasch bemerkt. Die Reaktionen fielen durchwegs positiv aus, wobei der eine oder die andere auch bemerkte, dass die sonst übliche Schärfe und Derbheit der Rabtaldirndln eher geringer dosiert war.

Wie wollen die Rabtaldirndln nun leben in ihrer Stadt? „Weniger hektisch“, sagt Gudrun Maier. Nicht eine Premiere nach der anderen, mehr Konzentration, mehr Ruhe. Man muss nicht immer die Welt retten und Superheldin sein. Auch James Bond gönnt sich zwischendurch einen Cocktail.“ Und nach kurzem Nachdenken: „Aber auch bei ihm kommt dann gleich wieder der nächste Call.“

(c) Nikola Milatovic
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  • (c) Helene Thümmel

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