Die Ausstellung „Die Stadt als Datenfeld“, sagt Peter Rantaša, dürfte eine der ersten weltweit sein, die sich mit den Auswirkungen der Industrialisierung 4.0 auf die unterschiedlichen Lebensbereiche auseinandersetzt. In den vergangenen zehn Jahren setzt das massive Datensammeln und -verwerten als Phänomen ein. Big Data und Algorithmen spielen nun beim Einkaufen, in der Wahl von Partner*innen, beim Hausbau oder bei der Jobsuche eine große Rolle. „Als wir mit der Konzeption begonnen haben“, erzählt Peter Rantaša, der die Ausstellung mit Otto Hochreiter kuratierte, „waren wir eher bedenkenorientiert. Überwachungs- und Datenkapitalismus, technikkritische Zugänge als Gegensatz zur schönen heilen Welt, die von den Datenkonzernen gezeigt wird. Eine Ausstellung voller Sorgen und Ängste wäre aber kein guter Zugang zum Thema ‚Wie wir leben wollen‘. So haben wir das in eine visionäre Figur gewendet, auch wenn die Kritik berechtigt und auch bei uns zu finden ist.“
Peter Rantaša als Technikphilosoph mit künstlerischem Hintergrund bringt dann eine Zukunftserzählung Vilém Flussers in die Themenwahl für die Ausstellung ein: „Vom Subjekt zum Projekt“. Dieser Text ist augenzwinkernd, optimistisch und er ist vom politischen bis zum persönlichen Bereich klar strukturiert. Aus Flussers Kapiteln werden die Räume der Ausstellung, aus seiner Grundhaltung speist sich die Philosophie der Schau. „Anstatt einen Verlust zu betrauern, war sein Ansatz, die Möglichkeiten und das Potenzial zu feiern“, sagt Rantaša, der außerdem unterstreicht, dass Flussers Text sehr bildhaft ist und sich daher als Inspiration ideal eignet: „Herkömmlicherweise sehen solche Ausstellungen wie folgt aus: Da ist ein Bildschirm mit einem Video, daneben ist eine Textwand, auf der erklärt wird, was im Video zu sehen ist. Und dann wird bei einer Führung erzählt, was das alles zu bedeuten hat. Genau so etwas wollten wir nicht. Wir haben stattdessen einen ermächtigenden Zugang gewählt.“
Wenn uns etwas am Status quo stört, warum nutzen wir dann nicht die Möglichkeit, etwas daran zu ändern? Diese Fragestellung Flussers prägt nicht nur die Räume im Graz Museum, sondern auch ein Symposium, das im Sommer 2021 zu erleben ist. Bei diesem Programmpunkt hinterlässt die Pandemie allerdings deutliche Spuren, geplant war ein umfangreiches „Diskursfestival“, das sich über mehrere Wochen ziehen sollte.
Machen Sie sich selbst ein Bild
Um die Ausstellung einzuleiten, ist es den Gestalter*innen wichtig zu zeigen, was mit uns und unseren Daten geschieht. Im Erdgeschoss des Graz Museums wird eine hell leuchtende Arbeit von Peter Weibel einer sehr dunklen gegenübergestellt, dem „Shadow Stalker“ von Lynn Hershman. Die interaktive Installation der US-Künstlerin macht den Einsatz von Algorithmen sichtbar, die zunehmend von Strafverfolgungsbehörden für Prognosen genutzt werden. In jedem Raum im Obergeschoss gibt es dann einen Touchscreen, auf dem die unterschiedlichen Aspekte einer „Smart City“ zu sehen sind. Letztlich aber geht es darum, dass sich die Besucher*innen selbst ein Bild machen können – im Sinne eines „Erlebnisraumes“.
Das Publikum, sagt Peter Rantaša, reagiert dann auch auf manche Inhalte ausgesprochen verblüfft. Wie weit etwa die Algorithmen heute in die digitalisierte Wahl von Partner*innen eingreifen und was die Konsequenz davon sein könnte: eine Auslese, die genetische Konsequenzen haben wird. „Jede Technologie verändert die Situation, in der sie angewendet wird. Dabei sind wir erst am Anfang der Entwicklung. Die selbst fahrenden Autos bauen noch relativ oft Blechschäden. Dennoch: Wer hätte sich all das vor einem Jahrzehnt gedacht?“, fasst der Philosoph zusammen.
Wer mehr über die Datenfelder in unserem Leben wissen möchte, dem sei die Website des Museums empfohlen. Dort finden sich Videos, Interviews und viele weiterführende Gedanken.
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